Caring for Conflict
(c) Emma Haugh

Künstlerische Coleitung und Kuration zusammen mit Suza Husse, Nuray Demir, Antke Engel, Nino Halka

Wut im Bauch, Streitlust, Kampftechnik, Irritationsgenuss, Zweifelutopie … und zugleich Berührung, Weichsein, Schutzraum, Offenheit, Sorge: Wie Konflikte leben?

Caring for Conflict ist ein langfristig angelegtes, transdisziplinäres und interkulturelles Projekt, das davon ausgeht, dass es immer und überall Konflikte geben wird. Denn heutiges Leben – in Berlin, in Deutschland, weltweit – ist von vielfältigen Realitäten, Perspektiven und Erfahrungswelten geprägt. Wir leben in Gesellschaften vielfältiger Differenzen, z.B. wo Menschen herkommen und wie sie aufwachsen, ihre Alltagspraxen, Überzeugungen und Religionen, Geschlechter- und Klassenunterschiede, unterschiedliche Befähigungen, Meinungen, Interessen und Werte. Statt auf ein konfliktfreies Miteinander zu hoffen, Konflikte unter den Teppich zu kehren oder mit Gewalt zu beantworten, benötigen wir Haltungen und Praxen, die uns erlauben miteinander auszukommen. Was es heute miteinander zu lernen gilt, ist ein angstfreier und wertschätzender Umgang mit gesellschaftlicher Heterogenität, die in sich konfliktträchtig, aber eben auch viel versprechend ist.

Wir schlagen den Begriff Konfliktkulturen vor, um Konflikte als Kontaktzonen zwischen oft gewaltvoll geteilten Welten zu verstehen, als Brüche in den Teilungen dieser Welten und also Anlässe, um soziale Strukturen umzugestalten und Machtverhältnisse zu verändern. Dabei fragen wir, ob feministische Auffassungen von Sorgearbeit oder queere Beziehungsformen
Inspirationen für neue Formen des Umgangs mit Konflikten liefern. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen vielfältige Formen des Wissens über Konflikte und deren Bearbeitung haben und verkörpern. Was und wie können wir voneinander und miteinander ver_lernen, um aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen geteilte Praxen werden zu lassen? … Praxen, die Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten, Ausschlüsse und die Gewalt rigider Normen abbauen?

Mit Hilfe von künstlerisch-kreativen Praxisformen aus den Bereichen Theater und Performance, Musik und Medienproduktion (Animation, Audio, Fotografie, Grafik, Video), Architektur und Szenographie sowie Skulptur, Sprache und Text möchten wir uns Themen nähern, die von den jungen Teilnehmer*innen selbst als konfliktreich und gesellschaftlich umkämpft, aber auch als bedeutsam für ihren Alltag angesehen und erlebt werden.

Caring for Conflict ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Queer Theory (iQt) und District Berlin/Schule ohne Zentrum und ein Projekt der kulturellen Bildung, welches von 2017-2019 durch die Förderung des Projektfonds kulturelle Bildung Berlin ermöglicht wurde. CfC wurde in Zusammenarbeit mit Schulen, Jugendzentren und Organisationen entwickelt und realisiert, von denen einige explizit feministisch, queer und anti-rassistisch arbeiten, und alle mit einer Aufmerksamkeit für komplexen, intersektional verflochtene Differenzen, Mehrfachzugehörigkeiten und Machtverhältnisse antreten.

More Info: www.caring-for-conflict.de